Mein Name ist Stefanie Katharina.
Ich habe schon viele Namen getragen. Steffi. Stef. Stefanie.

Mein jüngerer Sohn sagt über mich: „Mama muss schreiben. Das war schon immer so.“ Als ob sein Wissen über sein Lebensalter hinausreicht. Denn das stimmt für den größten Teil der 36 Jahre, bevor er in mein Leben trat. Schreiben wollte ich immer.

Aber ich wusste nicht, wie. Ich habe angefangen Notizbücher vollzuschreiben, obwohl ich Tagebücher albern fand. Den Weg zu Geschichten habe ich noch lange nicht gefunden.

Ich habe studiert und Seminararbeiten geschrieben und am Ende des Studiums eine lange Diplomarbeit. Darauf war ich stolz. Aber es hat mich nicht erfüllt. Darum habe ich mich dem journalistischen Schreiben zugewendet. Obwohl mir klar war, dass ich nicht Journalistin werden wollte. Aber schreiben, das wollte ich immer noch. Also lernte ich, wie man einen journalistischen Text verfasst. Wie man die wichtigsten Fragen in den ersten Zeilen beantwortet und wie man Teaser für Online-Texte schreibt. Wie man Adjektive, Fremdwörter und Füllwörter meidet. Wertvolles Wissen, doch auch diese Texte haben mich nicht befriedigt.

Also ging ich erneut auf die Suche und meldete mich bei einem Volkshochschulkurs an, bei dem man kreatives Schreiben lernen konnte. Ich war ziemlich aufgeregt. Und es war eine Tür zu einer unbekannten Welt. Ich lernte unter Zeitdruck zu schreiben, meinen Kopf musste ich dabei ausschalten. Ich durfte mir nicht vorher überlegen, wass ich schreiben wollte oder worüber. Aus meinen neu entstandenen Texten sprach eine Erzählstimme, die ich noch nicht kannte. Es entstanden auf wundersame Art Geschichten, über Themen, über die ich nie die Absicht gehabt hatte zu schreiben. Es enstanden Figuren, die ich mir nicht ausgedacht hatte. Ich war fasziniert. Ich hatte eine neue Spur entdeckt und dieser folgte ich, denn dieses Schreiben machte mich satt.

Viele, viele Papierbögen beschrieb ich mit der Hand und übertrug sie dann auf meinen Computer. Kurze Geschichten, lange Geschichten. Ich schrieb und schrieb und schrieb.

In meinem normalen Leben ging ich einer Arbeit nach, um meinen Lebensunterhalt zu verdienen. Ich war gut darin, mir Zeitinseln zu schaffen, um so viel wie möglich schreiben zu können. Das war erschöpfend. Ich schickte meine Texte an Agenturen und Verlage und bekam eine Absage nach der nächsten. Meine Idee von Schreiben und davon Leben können stagnierte. Ich folgte verbissen einer Idee, die für mich nicht richtig war oder nicht zu diesem Zeitpunkt. Niemand wollte meine Geschichten lesen oder drucken. Also habe ich es selbst gemacht. Mein Jugendroman war da, das war aufregend. Doch schnell folgte die Ernüchterung. In diese Richtung wollte ich auch nicht weiter.

Wer war denn ich? Weit weg von mir selbst. Da musste doch noch etwas anderes sein. Ich hatte bisher immer ausgeschlossen, über mich selbst zu schreiben. Die Figuren in meinen Geschichten waren doch viel spannender als mein Leben, oder? Zugegeben konnte ich mich auch wunderbar dahinter verstecken. Ich saß in meiner Ecke und beobachtete. Bis ich verstand, dass das nicht ausreicht. Ich musste anfangen, mich zu zeigen. Mein eigenes Leben. Meine Schmerzen, meine Wut, meine Angst, meine Freude und mein Lachen. Die ganze Holperstrecke.

Also begann ich darüber zu schreiben, was mich Tag für Tag beschäftigt. An den Dingen, die weh tun, blieb ich hängen. Daraus entstanden die ersten Texte für einen Blog, ich nannte ihn „Wachstumsschmerz“. Auch davor hatte ich Texte auf einem Blog veröffentlicht. Versteckertexte, für die sich kaum jemand interessierte. Das änderte sich auf der Stelle, als ich anfing, mich zu zeigen. Plötzlich erkannten andere sich wieder und gaben mir sofort ihr Feedback. Ich war überrascht und ein bisschen schockiert. Verdammt, dann war das doch der richtige Weg, ich hatte es befürchtet. Ich hatte es geahnt und ich hatte Angst davor.

Und wer möchte, kann mich hier auf meinem Blog ein Stück begleiten. Auf meiner Reise zu einem Ort, von dem ich nur eine leise Ahnung habe.